Zum Sonntag

 

Die Novembertage, die am kommenden Dienstag wieder beginnen, verbinden wir mit nebeligen Tagen, mit Dunkelheiten und Gräberbesuchen. Die Liturgie der Kirche aber schlägt zum Auftakt dieses Trauer- und Totenmonats einen ganz anderen Akkord an. Voller Klarheit und Licht öffnet uns das Hochfest Allerheiligen, dass unsere Kirche seit dem Jahre 835 am 1. November feiert, den Blick dorthin, wo wir hoffen, dass unsere Zukunft einmal dort liegt: zum Himmel. – Ein Himmel, der offen steht und der alle Dunkelheit, Schwermut und Trauer vertreiben will. Dabei gedenken wir auch der Glieder unserer Glaubensgemeinschaft, die die Hinfälligkeit dieser Zeit hinter sich haben, die ihren Weg auf dieser Welt gegangen sind, dass sie am Ende ihres irdischen Lebens zu Gott gefunden haben oder noch finden. Deshalb ist der Gräbergang am Nachmittag des Allerheiligenfestes schon seit vielen Jahrhunderten für uns Christen ein vertrautes Ritual. In den Kirchen unserer Pfarreien hält man eine Andacht für die Verstorbenen unserer Kirchengemeinden, zieht dann in einer Prozession zum Friedhof, um der Verstorbenen zu gedenken, deren Gräber zuvor mit Blumen und Gestecken frisch geschmückt worden sind. Entzündete Lichter werden auf die Gräber gestellt als Zeichen für Jesus Christus, unser Licht.

Denn an diesem Fest Allerheiligen hören wir in der Liturgie der Kirche, wie Jesus gerade die Menschen seligpreist, die wir vielleicht nicht zu den Glücklichen zählen. Aber einen großen Trost verkündet er ihnen: Sie werden reichen Lohn empfangen und teilhaben am Reich Gottes. Und zu dieser Freude sind auch wir eingeladen und berufen.

 

Franz Xaver Finkenzeller