Einwohnerzahl steigt

 

Nach Mitteilung der Expertinnen und Experten des Bayerischen Landesamts für Statistik verzeichnet der Freistaat im ersten Quartal 2022 einen Bevölkerungsanstieg um rund 92 700 Personen. Es handelt sich um den stärksten Anstieg der Einwohnerzahlen innerhalb eines Quartals seit Beginn der quartalsweisen Ausweisung der Einwohnerzahlen im Jahr 1971 und stellt eine direkte Auswirkung des Kriegs in der Ukraine dar. So stieg die Zahl der im Freistaat gemeldeten ukrainischen Staatsangehörigen im ersten Quartal 2022 um 78 141 Personen auf nun 105 525 Personen. Das bestehende Geburtendefizit von gut 10 400 Personen wurde durch Wanderungsüberschüsse in Höhe von etwa 107 900 Personen ausgeglichen. Hinzu kommt ein Minus von etwa 4 800 buchungstechnischen Korrekturen der Kommunen.

Zum 31. März 2022 lebten in Bayern rund 13,27 Millionen Menschen und damit 92 738 Personen mehr als noch zu Jahresbeginn. Der bisherige Anstieg der Bevölkerung im Jahr 2022 liegt damit bereits jetzt deutlich über dem Wert der beiden gesamten Vorjahre zusammen, in denen Bayern insgesamt 52 252 Einwohner hinzugewonnen hat. Seit Beginn der quartalsweisen Ausweisung der Einwohnerzahlen im Jahr 1971 hat es in Bayern keinen vergleichbaren Anstieg der Einwohnerzahlen innerhalb eines Quartals gegeben. So wuchs der Freistaat im dritten Quartal des Jahres 1990 – also unmittelbar nach der deutschen Wiedervereinigung – um 76 008 Personen. Im dritten Quartal 2015 – dem Höhepunkt der damaligen Flüchtlingsbewegungen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak – ist die bayerische Bevölkerung um 50 933 Personen angestiegen. Die starke Zunahme der Bevölkerung Bayerns im ersten Quartal 2022 ist vor allem eine Auswirkung des Krieges in der Ukraine, denn die Zahl der in Bayern gemeldeten Ukrainer und Ukrainerinnen ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 78 141 Personen auf nun 105 525 Personen angestiegen. Wie das Expertenteam des Bayerischen Landesamts für Statistik nach der Auswertung vorläufiger Daten mitteilt, wurden im ersten Quartal dieses Jahres 27 846 Lebendgeburten verzeichnet. Nachdem der Freistaat im Jahr 2021 die höchste Geburtenzahl seit 1991 verzeichnen konnte, ist nun ein deutlicher Rückgang erkennbar. Weniger Lebendgeborene innerhalb des ersten Quartals wurden zuletzt im Jahr 2015 (27 424) registriert. Zudem überstieg die Zahl der Gestorbenen mit 38 248 Fällen die Zahl der Geburten, wodurch ein Geburtendefizit in Höhe von 10 402 entstand.

Das Geburtendefizit Bayerns wird jedoch durch Wanderungsüberschüsse sowohl aus den anderen Bundesländern (1 735 Personen) als auch aus dem Ausland (106 172 Personen, darunter 79 971 ukrainische Staatsangehörige) kompensiert, so dass die bayerische Bevölkerung zwischen Januar und März 2022 insgesamt wächst. Die verbleibende rechnerische Abweichung zur Gesamtveränderung in Höhe eines Minus von rund 4 800 Personen beruht auf „sonstigen Veränderungen“, unter die beispielsweise Korrekturbuchungen und Nachmeldungen der Kommunen fallen. Im ersten Quartal des Jahres 2022 sind mit 7 748 Eheschließungen verhältnismäßig viele Paare den Bund fürs Leben eingegangen. Besonders begehrt waren dabei der 2. und 22. Februar 2022. Allein an diesen zwei Tagen wurden 2 164 Eheschließungen vollzogen, was einem Anteil von knapp 28 Prozent entspricht. Ähnlich viele Trauungen zu Beginn eines Jahres wurden auch 2020 (8 114) registriert, als ebenfalls besondere Hochzeitsdaten für Heiratswillige zur Auswahl standen. Der Bevölkerungsstatistische Quartalsbericht bietet unterjährige Daten des laufenden Jahres sowie ergänzend zu den sonstigen Berichtsserien einen schnellen Überblick über die wichtigsten bevölkerungsstatistischen Merkmale. Es werden auch Vergleichsdaten aus den Vorjahren bereitgestellt, so dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des russischen Kriegs gegen die Ukraine auf einzelne Bereiche der Bevölkerungsstatistik untersucht werden können.

Im Bevölkerungsstatistischen Quartalsbericht, welcher Daten zu Einwohnerzahlen, Sterbefällen, Geburten, Eheschließungen und Wanderungsbewegungen bis einschließlich März 2022 enthält, werden auf Bayernebene Daten differenziert nach Kalenderwochen und Monaten bereitgestellt, auf Ebene der kreisfreien Städte und Landkreise erfolgt eine Ausweisung auf Monatsbasis.

Bericht: Bayerisches Landesamt für Statistik