Trockenheit, Hitze oder Feuerbrand?

 

 In letzter Zeit mehren sich die Anfragen zu trockenen Ästen oder Astpartien besonders an Quitte und Apfel. 2022 wird wieder ein Feuerbrandjahr in Bayern, befürchten die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie. Das Feuerbrandbakterium führt zu absterbenden Ästen. Doch nicht alles was jetzt vertrocknet ist die gefürchtete Krankheit. Hitze und Trockenheit, Echter Mehltau und Spitzendürre können ebenfalls ursächlich sein.

 

Feuerbrand-Merkmale

Bei der Feuerbrandkrankheit verfärben sich die Triebe dunkelbraun bis schwarz und sterben schließlich ab. Es können sowohl blühende als auch Laubtriebe, einschließlich Wasserschosser, betroffen sein. Zunächst welken die Blätter, die Blüten und die Triebe. Sie vertrocknen in Verlauf der Infektion, die dürren Blätter bleiben an den Astpartien hängen und sehen wie „verbrannt“ aus. Die Ausbreitung des Erregers geschieht meist recht schnell. Junge, noch krautige Triebspitzen krümmen sich oft hakenförmig nach unten. Selten findet man bei feucht-warmer Witterung Bakterienschleim-Tröpfchen aus den erkrankten Stellen austreten. Diese Tröpfchen sind zunächst milchig weiß, verbräunen, trocknen ein und können bei Regen abgewaschen werden. Der Feuerbranderreger ist ein Bakterium: Erwinia amylovora. Auch wenn der Wirtskreis sehr groß ist, beschränkt es sich doch auf Kernobst und nahe Verwandte. Besonders betroffen sind Quitte, Apfel und Birne sowie deren Zierformen, Weiß- und Rotdorn, Feuerdorn, Vogelbeere und Mehlbeere, Zwergmispel und Felsenbirne. Kirschen, Zwetschgen und Beerenobst werden nicht infiziert.

 

Meldepflicht beim Feuerbrand

Haben Sie keine Angst vor der Meldepflicht. Wenden Sie sich im Verdachtsfall entweder an die zuständige Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege an den Landratsämtern oder an die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz, Lange Point 10, 85354 Freising, phytobakteriologie@lfl.bayern.de. Hier ist auch ein kostenfreier Test möglich. Die Feuerbrand-Krankheit kommt in Bayern bereits fast überall vor. Trotzdem ist es für die Pflanzenschutz-Beratung weiterhin wichtig, einen Überblick über die aktuelle Feuerbrandsituation in den einzelnen Regionen zu bekommen. Um erwerbsmäßige (Obst-)Anlagen zu schützen und ein Übergreifen zu verhindern sind besonders auch die Besitzer von Gärten und Streuobstwiesen angehalten, ihre Kernobstbestände regelmäßig zu kontrollieren.

 

Feuerbrand und dann?

Besprechen Sie die Vorgehensweise mit Ihrer Kreisfachberatung! Es gibt keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel zur Feuerbrandbekämpfung. Möglich sind nur Schnitt- und Rodemaßnahmen. Sehr stark befallene Bäume werden in der Regel gerodet, um den Infektionsdruck herabzusetzen. Schwach befallene Bäume können manchmal durch Pflegemaßnahmen (Rückschnitt, gute Wasser und Nährstoffversorgung, Ruhigstellen des Wachstums) erhalten werden. Besonders ältere Apfel- oder Birnbäume scheinen den Feuerbrandbefall gut zu überstehen. Geringer Schnittgutanfall kann über den Restmüll entsorgt werden, größere Mengen gut abgedeckt an eine Müllverbrennungsanlage geliefert. Vom Häckseln von Schnittgut und der Kompostierung ist abzuraten, da sich der Erreger ausbreiten kann. Desinfizieren Sie Ihre Schnittwerkzeuge (Säge, Schere,…), um eine Ansteckung zu vermeiden z.B. mit 70 %igem Alkohol.

 

 

Verwechslungsmöglichkeiten mit dem Feuerbrand

Gerade bei der anhaltenden Hitze und Trockenheit dörren einzelne Triebe oder ganze Pflanzen regelrecht dahin. Manchmal werfen sie das Laub jetzt schon ab, um sich zu schützen. Oft beginnt es mit hellbraunen Verfärbungen auf einzelnen Blättern, bevor dann der Trieb eintrocknet. Echter Mehltau, der in diesem Jahr verstärkt auftritt, führt ebenfalls häufig auch zu eingetrockneten Triebspitzen. Ursächlich für welkende, verbräunte und vertrocknete Blüten und Triebe können neben dem Feuerbrand auch andere bakterielle oder pilzliche Welkekrankheiten (z. B. Pseudomonas syringae, Monilia) Erreger sein. Ebenso kommen tierische Schädlinge (z.B. Birnentriebwespe) und andere Einflüsse (Spät-Frost, Hitzestress) in Frage. Die genaue Diagnose ist nur durch spezielle Testverfahren im Labor möglich.