Hirt und Herde
Der Hirt und die Herde waren für die Menschen zur Zeit Jesu ein gut
nachvollziehbares Bild. Bei einem guten Hirten war gut gesorgt, er kannte jedes einzelne Tier und seine Geschichte und …er hatte alle im Blick. Dennoch war der Hirte nicht ein Abgehobener, ganz
im Gegenteil, er war eher unten in der Gesellschaftshierarchie. Aber eben nicht für seine Schafe.
Jesus sagt im Evangelium dieses Sonntages (Johannes 10, 1-10) von sich selbst, er sei die Tür zu den Schafen.
Geschlossene Türen schützen vor der Außenwelt.
Geschlossene Türen schließen aber auch die aus, die innen hinter dieser
Tür stehen: wer hinter verschlossenen Türen lebt, vielleicht aus Misstrauen gegenüber der ganzen Welt, der schließt sich selbst von der Vielfalt des Lebens aus. Wie es sich anfühlt, hinter
geschlossenen Türen zu leben, haben wir in der Coronazeit erfahren müssen.
Eine solche Tür will Jesus genau nicht sein. Er will die Tür sein, die hineinführt in den Schutz, aber gleichzeitig auch hinaus ins Leben, zu den anderen, zur
Weide, zum Lebensnotwendigen, zu dem eben auch unsere Gemeinschaft zählt.
Und dann verspricht uns Jesus ein Leben in Fülle.
Viele andere versprechen uns ein Leben in Fülle und meinen doch nur Konsum und Zerstreuung oder wollen an unser Geld. Das sind falsche Hirten, auf deren Stimme wir nicht hören sollen.
Was aber ist dann ein Leben in Fülle? Für mich ist es ein Leben in einer
Gemeinschaft, die daran arbeitet, dass alle ein Lebensrecht haben in dieser Welt, dass alle Zugänge zum Lebensnotwendigen haben und den Schutz des Lebens genießen können, der ihnen
zusteht.
Jesus nennt sich im Evangelium eine Tür, die der Welt einen neuen Ausgang gibt und einen neuen Weg öffnet. Die Tür schließt nicht ab – hinter ihr tut sich der Himmel auf.
G. Aringer, Gemeindereferentin im PV Edling