Nichts wie hinterher!

„Er ist es“, ruft Johannes der Täufer beim Anblick Jesu laut aus, „von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war.“ (Joh 1,30) Nun ja, diesen Satz aus dem heutigen Evangelium muss man sich nicht nur auf der Zunge, sondern auch erstmal im Kopf zergehen lassen. Nach mir, vor mir, mir voraus – das klingt beim ersten Mal lesen alles ziemlich wirr und paradox. Was will Johannes uns denn damit sagen? 
Johannes ging Jesus voraus, er trat also zeitlich vor ihm auf. Er predigte das Kommen des Messias. Und er predigte die Umkehr, weg vom Bösen, hin zum Guten, zu Gott. Als Zeichen der Umkehr und der Bereitschaft, Gott zu folgen, taufte er die Menschen im Jordan mit Wasser. Jesus wird also erst nach ihm in Erscheinung treten, wenn Johannes ihm den Weg geebnet hat. So weit, so klar! Nun soll dieser Jesus ihm aber voraus sein. Wie das?
Johannes der Täufer trat mit einer solchen Leidenschaft auf, dass die Leute begannen, ihn für den Messias zu halten. Dem schiebt Johannes einen Riegel vor: „Ein Mann wird kommen, der mir voraus ist.“ Ein Mann, der die Menschen nicht nur mit Wasser taufen, sondern mit dem Geist Gottes durchdringen wird. Ein Mann, der sie im wahrsten Sinne des Wortes be-geistern wird. Ein Mann, der schließlich die Sünden der gesamten Welt auf sich nehmen und die Menschen mit Gott für immer versöhnen wird. Wie ist das möglich? 
Nun, weil dieser Mensch, Jesus, schon vor Johannes war. Weil er schon immer war. Weil er der Urgrund für alles Sein ist. Weil er eben nicht nur wahrer Mensch, sondern auch wahrer Gott ist. Weil seine Liebe den Menschen überhaupt erst in diese Welt brachte. Weil er am Anfang der Schöpfung da war. Und weil er auch am Ende aller Tage da sein wird. So wie wir es in der Hl. Messe beten: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“
So können auch wir heute mit der gleichen Überzeugung wie einst Johannes der Täufer sagen: „Nach uns kommt einer, der uns voraus ist, weil er vor uns war.“ Also, nichts wie hinterher!
Dr. Andreas Köbinger
Diakonatspraktikant